Von Algebra bis Zucker

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Dem "Minarett", dem "Harem" oder der "Falaffel" sieht man die Herkunft aus der arabischen Sprache an. Aber auch ganz geläufige, treudeutsch anmutende Wörter wie "Laute", "Sofa", "Tasse" oder "Zucker" stammen aus dem Arabischen. Die Dinge, die sie bezeichnen, hat Europa v.a. im Mittelalter vom Morgenland übernommen, denn die arabische Kultur, die ihrerseits vieles im Zuge der Expansion des Islam von anderen Kulturen übernahm, war damals führend in Wissenschaft und Technik und Maßstab der feinen Lebensart – und hat diesen Reichtum Europa weitervermittelt. Andreas Unger versammelt in seinem Lexikon alle geläufigen deutschen Wörter arabischer Herkunft, und mit der Wortgeschichte schreibt er immer auch ein Kapitel der Kulturgeschichte dieser Dinge.
Leseprobe

Alkohol
(Nhd.) Alkohol geht ursprünglich zurück auf (arabisch) (al-)kuhl, '(das) Augenpulver', ein Wort, das viele Verwandte in anderen semitischen Sprachen hat. Schon im 2. Jt. v. Chr. ist das akkadische und später das assyrische guhlu belegt, ein wertvolles Kosmetikum zum Färben von Augenpartien, vermutlich mit schwarzer Farbe. Dieses Mittel war im Altertum sehr verbreitet; unter anderem Namen wird es bei den Ägyptern, Griechen und Römern erwähnt; ähnlicher Natur scheint aber auch das (altindisch) kajal zu sein (eine Namensverwandtschaft mit guhlu bzw. kuhl ist allerdings nicht nachweisbar). Das Kosmetikum bestand aus fein zerriebenen Mineralien wie Antimontrisulfid (Grauspießglanz) oder Bleisulfid, in Ägypten wohl auch Malachit, denen, wie beim Kajal, vielfach Rußanteile beigemischt waren. Auch als medizinisches Mittel gegen Augenkrankheiten wurde es verwendet.
Bei den Arabern war dieses Mittel schon in vorislamischer Zeit sehr verbreitet. Die Bezeichnung kuhl ist zwar erst um 700 belegt, geht aber indirekt aus Fügungen wie kahala min ar-ramad ('die Augenlider gegen Entzündung mit kuhl bestreichen', um 600) oder dem Adjektiv akhal, Plural kuhl ,'(blau)schwarz, schwarzäugig' hervor, mit dem vor allem die Augenfärbung der Gazelle beschrieben wurde (welche vielleicht ein Vorbild für das bei den Frauen übliche Schwärzen der Lider und Augenwinkel abgab). In der frühislamischen Dichtung ist dann kuhl vielfach bezeugt, beispielsweise in der Textstelle "und ihre Tränen waschen den kuhl aus" von 'Umar ibn Abi Rabi'a (gest. 712). Als Augenheilmittel wird es von Ärzten seit Mitte des 9. Jh.s beschrieben.
In Europa ist (mittellateinisch) alkool, alcohol in der Bedeutung 'Antimonpulver' zuerst im sogenannten "Liber Sacerdotum" erwähnt, einer Rezeptsammlung aus byzantinischlateinischen, aber auch arabischen Quellen, die wohl in Spanien entstand und ungefähr auf das 12. Jh. datiert wird. Dem mittellateinischen Wort dürfte dabei am ehesten eine hispanoarabische Dialektform al-kuhul zugrunde liegen; im Spanischen ist alcohol erstmals 1278 belegt. In seiner medizinischen Bedeutung taucht kohol oder alkohol als "arabisches Wort" in einem mittellateinischen Kontext um 1290 in Italien auf; 1336 wird (mittellateinisch) alcohol mit "feinstes Pulver für die Augen" erklärt. Bezeichnenderweise ist das Wort allerdings nie in der Bedeutung 'Augenkosmetikum' erwähnt: Die Sitte, das Pulver zum Hervorheben der Augen zu verwenden, wurde im christlichen Europa nicht übernommen. Sie setzte sich erst zu Beginn des 20. Jh.s allmählich durch, wobei sowohl die Frauenemanzipation als auch die Filmindustrie eine Rolle gespielt haben dürften.
In der zweiten Hälfte des 15. Jh.s erklärt der italienische Arzt und Pharmazeut Saladin von Ascoli (mittellateinisch) alcohol mit "feines Pulver", "atomi" (kleinste Partikel bzw. Staub) im Sonnenlicht. In dieser allgemeinen Bedeutung, also unabhängig von der ursprünglich gemeinten Substanz, verwendet 1525 auch der Arzt Paracelsus alkool. 1527 gebraucht er dann erstmals die Wendung "alco(h)ol vini", also 'Feinstes des Weins'. Nun war der Alkohol im heutigen Sinn von 'reiner Weingeist' vermutlich im 12. Jh. durch verbesserte Destillationsverfahren im Rahmen alchimistischer Versuche in Süditalien entdeckt worden. Um 1300 wurde er unter der Bezeichnung "aqua vitae" ('Lebenswasser', auch "aqua ardens" 'Wasser, das brennt', genannt) von dem katalanischen Arzt Arnald von Villanova als medizinisches Heilmittel empfohlen. 50 Jahre später ging der südfranzösische Franziskanermönch Johannes von Rupescissa noch weiter, er glaubte im "aqua vitae" eine mögliche "quinta essentia", also eine Art wirksamer Grundsubstanz, ein Allheilmittel, zu sehen, das dem Elixier entspreche. 1507 spricht der Straßburger Arzt und Alchimist Hieronymus Brunschwig von der "suptillitet" der durch Destillieren gewonnenen "Quinta essentia des weinß", und davon, dass sie "unmaterlicher" als der Wein sei. Vorstellungen dieser Art dürften ebenfalls dazu beigetragen haben, dass Paracelsus das Destillationsprodukt des Weines als "alco(h)ol vini" bezeichnete.
Auch im 17. Jh. wurde das in Apotheken erzeugte und vertriebene Produkt noch "Alcohol vini" u. a. (1616 erklärt als "brantwein") genannt. Im 18. Jh. begann sich dann, vielleicht nach französischem Vorbild, die zusatzlose Bezeichnung Alkohol durchzusetzen. Noch in Zedlers Lexikon von 1732 hat sie allerdings nicht nur die Bedeutung "hochrektifizierter Spiritus, der ... gleich brennet", sondern auch noch "ein sehr zartes und gleichsam unbegreifliches Pulver". Im 19. Jh. führte die Entdeckung dem Alkohol verwandter Stoffe dazu, dass im chemischen Bereich der Fachbegriff der Gruppe der Alkohole geprägt wurde, von denen einer der nunmehr Äthylalkohol (heute Ethanol) genannte Weingeist ist. Etwa gleichzeitig begann das Wort Alkohol im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr nur den Spiritus und den Branntwein zu bezeichnen, der etwa seit dem 16. Jh. als Getränk genossen wurde:
In dem Zitat "alle bei Säufern ... vorkommenden ... Leiden [sind] Folgen des Missbrauchs des Alkohols" (1852) sind vielmehr bereits jegliche alkoholische Getränke gemeint.

Kork
(Neuhochdeutsch) Kork ist die Rinde des Korkeichenbaums aus den Ländern um das westliche Mittelmeer. Schon der römische Autor Plinius (gest. 79 n. Chr.) zählt verschiedene Arten der Verwendung von (lateinisch) cortex ('Rinde, insbesondere der Korkeiche') auf: Schwimmer an Netzen der Fischer, Pfropfen in Amphoren und Winterschuhe für Frauen. Cortex (Akkusativ corticem) gelangte auf zwei Wegen in die Sprachen der Iberischen Halbinsel: Einerseits wurde es über das Mozarabische, den romanischen Dialekt der Christen unter muslimischer Herrschaft, zu (spanisch) corcho (13./15. Jh.) und über eine Adjektivbildung zu (portugiesisch) cortiça, jeweils in der Bedeutung 'Kork(rinde)'; andererseits ist es - mit noch nicht zu -tsch- erweichtem zweitem k-Laut - vielleicht über eine Berbersprache ins Arabische Nordafrikas gelangt, wo (al-)qurq erstmals im 11. Jh. in der Bedeutung 'eine Art Schuh', also wohl 'Sandale mit Korksohle' bezeugt ist. In dieser Bedeutung wurde es von den spanischen Muslimen übernommen und gelangte dann zu den christlichen Spaniern und Portugiesen in der Form alcorque; eine Vorform (spanisch, Plural) arcorcoles ist offenbar schon 1253 belegt.
Im Mittelniederländischen taucht 1419 korck und um 1500 kurk 'Kork(sohle)' auf. Ein daraus entlehntes niederdeutsches kork soll in der Bedeutung Korkrinde als Pantoffelsohle schon im 15. Jh. bezeugt sein, sicher belegt ist korke als Material für Pantoffelmacher 1589 in Bremen. Auch im Englischen erscheint cork 1464 in dieser Bedeutung (etwas später allerdings auch als 'Korkrinde' und 'Schwimmer'). Diese Wortformen mit dem k-Laut in der Endung und in der Bedeutung 'Pantoffelsohle u. a.' sprechen dafür, dass sie im Rahmen des damaligen Handels von der spanischen Halbinsel nach Nordeuropa nicht aus (spanisch) corcho, (portugiesisch) cortiça, sondern aus (spanisch, porturgiesich) alcorque entlehnt worden sind. Offenbar wurde dabei die Mode der Korkpantoffeln übernommen, und diese machten dann den Holzpantinen wohl auch deshalb erfolgreich Konkurrenz, weil, wenn "der Gurck [Kork] unter die Schuhe genäht wird ... sie diejenigen, die dergleichen tragen, desto ansehnlicher machen", wie Zedlers "Universal-Lexicon" noch 1735 unter dem Eintrag "Gurck-Baum, Pantoffel-Baum ... Sohlen-Holtz, Korck-Holtz" schreibt. Die heutige Verwendung als Flaschenkorken ist bei Zedler ("der Gurck oder Korck, dessen wir uns zu Stöpseln bedienen") ebenfalls schon kurz angedeutet; erstmals erwähnt ist sie 1530 im Englischen ("Stoppe the bottle with a cork"), im Deutschen dann 1716 (Corck). Voraussetzung war vermutlich eine (allerdings erst für das 17. Jh. in England bezeugte) technische Neuerung, durch die dickeres Glas produziert werden konnte als das bisher übliche. Auf diese Weise wurde es möglich, Flaschen herzustellen, in denen man beispielsweise Wein ohne größere Probleme konservieren und transportieren konnte. Deren Hälse waren nun auch so stabil, dass man sie mit Stöpseln aus Kork (statt Wachs- oder Lederstöpseln) verschließen konnte, ohne dass sie zerbrachen. Für diese Stöpsel setzte sich im Deutschen als Nebenform zu Kork (1741) im 20. Jh. die heutige Bezeichnung Korken durch.

Schach
Die Bezeichnung Schach geht letztlich zurück auf die alte persische Herrscherbezeichnung (mittelpersisch) šāh, mit der um das Jahr 600 n. Chr. im Zuge der Übernahme des Schachspiels das altindische "rāj(an)" 'König' übersetzt wurde. Tatsächlich wird der Ursprung des Schachs in Indien vermutet, wobei chinesische Einflüsse mitgewirkt haben können. In Indien waren schon sehr früh verschiedene Brettspiele verbreitet. Als Vorform des Schachs gilt dabei insbesondere ein sogenanntes Würfelschach für vier Parteien. Im 6. Jh. n. Chr. hatte sich daraus als militärisches Strategiespiel ein Schachspiel für zwei Parteien herausgebildet, das "cátur-anga" 'das mit den vier Gliedern' genannt wurde, vermutlich da in ihm, neben dem König und seinem Berater, die vier Formationen des damaligen indischen Heeres, Elefanten, Reiter, Kampfwagen und Fußsoldaten, aufeinander trafen. Die Regeln entsprachen nahezu den heutigen, mit Ausnahme der Zugweise des Beraters (der modernen Dame) und des Elefanten (Läufer). Auch die Notwendigkeit, den Gegenspieler auf die Bedrohung seines Königs aufmerksam zu machen, scheint schon bei den Indern bezeugt.
Die Araber übernahmen das Spiel unter der Bezeichnung "šatranğ" wohl schon, als sie Mitte des 7. Jh.s Persien eroberten, und mit ihm übernahmen sie auch den Namen für die Figur des Königs und den Ausruf bei seiner Bedrohung (arabisch šāh, mit Artikel aš-šāh). Das Spiel selbst wurde im muslimischen Bereich sehr kontrovers aufgenommen. Seine Gegner hielten ihm Nähe zu den in der Koranexegese verbotenen Glücks- oder Geldspielen vor (in der Tat wurde meist um hohe Wetteinsätze gespielt), auch halte es von religiöser Lebensführung ab. Die Befürworter verwiesen dagegen darauf, dass es den Verstand schule und strategisches Denken fördere. Ungeachtet der Diskussionen verbreitete es sich aber bald im ganzen arabisch-islamischen Raum. Es wurde vor allem ein Spiel der Eliten, es zu beherrschen war ein Zeichen der feinen Lebensart.
Aus den islamischen Gebieten gelangte das Schachspiel auf verschiedenen Wegen nach Europa. Anhand der sprachlichen Zeugnisse ist der Weg übers muslimische Spanien am einfachsten überblickbar. Wahrscheinlich schon 1008 ist eine Bezeichnung (mittellateinisch) schacos für Schachfiguren in Katalonien bezeugt, 1045 tauchen auch im Katalanischen selbst eschachs auf, und um 1080 lässt der Verfasser des altfranzösischen "Rolandslieds" die Ritter in der Umgebung Karls des Großen (altfranzösisch) echecs spielen.
Bemerkenswert ist dabei, dass mit dem Wort im Plural in den europäischen Sprachen - abgesehen vom Spanischen - nun die Figuren des Spiels bzw. das Spiel selbst bezeichnet wurden, während die Singularform nur noch für den Ausruf bei der Bedrohung des Königs, aber nicht mehr für ihn selbst gebraucht wurde. Dies ist dadurch erklärbar, dass die arabische Bezeichnung (aš-)šāh für den König - wie die Bezeichnungen anderer Figuren - den Europäern nicht mehr verständlich war, seine herausragende Stellung im Spiel und die notwendigen Ausrufe (arabisch) šāh! bzw. šāh wa-ruhh! 'König und Turm!' oder šāh māt! aber als kennzeichnend für das ganze Spiel angesehen wurden. Die europäischen Lautformen scheinen dabei zusätzlich beeinflusst durch ein altes germanisches Wort für 'Raub, Kriegsbeute', das zu (mittellateinisch) scach, scachus etc. und (altfranzösisch) eschiec, eschec geworden war (und im Neuhochdeutschen noch in der Form der beiden Schächer 'Räuber' am Kreuz neben Jesus auftaucht).
Die Ausbreitung des Schachspiels in Europa verlief analog zu der in muslimischen Gebieten. Anfangs noch kritisiert als angebliches Glücksspiel, wurde es bald fester Bestandteil der höfischen Kultur und in diesem Rahmen wie bei den Muslimen - auch von Frauen gespielt. Wohl nach spanisch-muslimischem Vorbild galt es als eine der notwendigen Fertigkeiten des Ritters, so wie Reiten, Bogenschießen, Jagen und Dichten.
Im Mittelhochdeutschen taucht das Wort vermutlich zum ersten Mal um 1170 in der Bearbeitung des "Rolandslieds" durch den Pfaffen Konrad auf, der Karl den Großen persönlich am Schachbrett (ob deme schachzable, V. 682) sitzen lässt. Im übrigen scheint es aus dem Altfranzösischen vorwiegend über das mittelniederländische scaec ins Deutsche gelangt zu sein, ein Beispiel für die Bedeutung des flämischen Rittertums bei der Übermittlung französischer Kulturgüter aus der höfischen Sphäre. Das Gewicht, das das Spiel inzwischen erlangt hatte, kann man daran ermessen, dass das Wort etwa ab dem Jahr 1200, wie schon bei den Arabern, häufig in der Literatur auftaucht, wo es auch in übertragener Bedeutung gebraucht wird, beispielsweise um Auseinandersetzungen beim Werben um Liebe auszudrücken: "dâ vant ich schâch und mat an mangem stolzen wîb" (14. Jh.).
Mehr und mehr wurden das Schachspiel und seine Figuren nun auch als Allegorie der Gesellschaft und des Lebens benutzt. In dem nach arabischen Vorlagen entstandenen altspanischen Schachbuch von König Alfons dem Weisen (1283), wo Christen und Muslime, Männer und Frauen über verschiedensten Schachproblemen brüten, werden die Figuren und ihre Zugweise noch vorwiegend nach militärischen Gesichtspunkten gedeutet und erklärt. In der kurz darauf vermutlich in Genua entstandenen sogenannten Schachpredigt des Dominikaners Jacobus de Cessolis sind die Figuren dagegen schon Repräsentanten einer idealisierten Ständegesellschaft. So hat etwa der "König" Gerechtigkeit zu üben und sich um seine "Königin", die neben ihm steht, zu kümmern, die heutigen Läufer werden als zwei unterschiedliche Richter und die Fußsoldaten als verschiedene Handwerker mit ihren jeweiligen Aufgaben in der Gesellschaft interpretiert.
Die Beliebtheit des Spiels wird auch an den zahlreichen Wörtern deutlich, die aus seiner Bezeichnung abgeleitet sind: Aus dem englischen check ('Schach!') stammt beispielsweise (neuhochdeutsch) checken und Scheck; und nach dem Bild des Schachbrettmusters entstanden die Adjektive (mittelhochdeutsch) schecke (um 1270, in Bezug auf das Fell von Leoparden), das im 17. Jh. zu (neuhochdeutsch) scheckig wurde, und (mittelhochdeutsch) geschecket (...). Sachliche Voraussetzung für diese Adjektivbildungen war, dass, anders als bei den Arabern, das Schachbrett in Europa seit Mitte des 12. Jh.s in zwei Farben mit Hell-dunkel-Kontrast gestaltet wurde - sichtbar an den Miniaturen in Alfons' Schachbuch.
Pressestimmen

Der Autor beschränkt sich nicht auf Worterklärungen (...), sondern erläutert, wenn auch knapp, Hintergründe, Produktionsbedingungen und eben das Wie und Warum des Kulturaustauschs. Vor allem im Zusammenhang liest sich das reizvoll. Etwa wenn man die Einträge zu "Hasard", "Kaffee" und "Schach" vergleicht: Ihre Geschichte trifft sich im verbotenen Glücksspiel - dessen Ort häufig das Kaffeehaus war. Daneben zeigt dieser kultur- und kulinargeschichtliche Überblick, dass die Rede vom christlich-jüdischen Fundament Europas zumindest einseitig ist. Der arabisch-islamische Anteil an der Geschichte des Mittelmeerraumes ist nicht zu vernachlässigen; er findet sich heute überall, in der Marmelade wie in der Mathematik.
Die Zeit

Andreas Unger hat sich in seinem Band auf die Spur arabischer Wörter im Deutschen gemacht und fördert Überraschendes zutage. Wer hätte gedacht, daß "Admiral", "Alkohol", "Benzin", "Gamasche", "Kattun" oder "Matratze" aus dem Arabischen stammen? So bedeutet etwa das arabische matrah, worauf "Matratze" zurückgeht, ein "Ort, wohin etwas geworfen wird". Die knappen, aber inhaltsreichen Erläuterungen laden zu anregenden kulturellen Streifzügen ein.
DAMALS

Die Wörter, zeigt Unger, haben ein längeres Gedächtnis als die Menschen, die sie benutzen. Sie gehören niemandem, sind wandlungsfähig wie ein Chamäleon und tragen frei und gesetzlos wie Schmuggler ihre schillernden Bedeutungen durch die Länder und Zeiten.
Neue Zürcher Zeitung

Andreas Unger (...) gelingt eine Bestandsaufnahme jener frühen Globalisierung, die in der öffentlichen Meinung vom Ausdruck "finsteres Mittelalter" zugedeckt wurde. "Von Algebra bis Zucker" ist ein informatives, gut zu lesendes Buch. Und man lernt: Gutes Deutsch kann manchmal durchaus Arabisch sein.
Schweizer Radio DRS2

Alkohol, Kampfer, Zucker, Scheck... Für den Reclam Verlag hat Andreas Unger den arabischen Wörtern im Deutschen nachgespürt. "Von Algebra bis Zucker" zeichnet nicht nur die Geschichte der Wörter nach, die aus dem Arabischen oder anderen orientalischen Kulturen in die deutsche Sprache gelangten; weil mit den Wörtern auch die entsprechenden Kulturgüter in Europa Einzug hielten, ist Ungers Wortgeschichte zugleich eine faszinierende Kulturgeschichte alltäglicher Dinge.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Jedem Kulturfreund sind natürlich die handlichen Nachschlagewerke von Reclam ein Begriff (...). In eben diesem handlichen Format ist nun auch ein Verzeichnis von deutschen Wörtern arabischen Ursprungs erschienen. Da kommen ganz erstaunliche Dinge heraus. Sollten Sie mehr und Genaueres wissen wollen, kaufen Sie sich dieses erhellende Büchlein.
Der Neue Merker

Ein kulturgeschichtliches Kompendium mit beachtlichem Unterhaltungswert...
NDR Kultur

Dieses Buch (...) liest sich wie ein Märchenbuch und ist doch höchst real. Und in seiner aktuellen Botschaft nicht gering zu schätzen. Es kann durchaus zum Verständnis und zur Versöhnung von Kulturen beitragen.
Neues Deutschland

Bei Gazelle, Giraffe, Harem wundert man sich nicht über ihre arabische Herkunft, bei Matratze, Magazin, Scheck oder Tasse schon. Mit den fast hundert Artikeln leistet Unger aber viel mehr, als die Reisen der Wörter zu verfolgen, ihn interessieren schließlich auch die Sachen selbst, weshalb der Leser kleine kulturgeschichtliche Abhandlungen genießen kann, die ihn über Karat, Schach oder Alchimie aufklären. Da Unger dasselbe mit den Worten Islam, Kadi, Koran oder Moschee tut, wird sein Buch nebenbei zum Nachschlagewerk über die islamische Welt.
Fränkischer Tag

Die kulturhistorische Einbettung der Wortgeschichte macht die Lektüre von Andreas Ungers außergewöhnlichem Wörterbuch zum informativen Lesevergnügen.
Oberösterreichische Nachrichten

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